Hjörungabucht (Hjørungavåg) – Seekrieg der Jomswikinger mit den Norwegern vor über 1000 Jahren

Aus mehreren nordischen Quellen, die allesamt im 12. und 13.Jh. aufgezeichnet wurden, geht hervor, dass Ende des 10.Jahrhunderts an der Küste Mittelnorwegens eine gewaltige Seeschlacht zwischen Nordländern ausgefochten wurde, darunter die Jomswikinger aus Pommern. Aus dieser Quellenlage und neueren isländischen, norwegischen und deutschen Forschungen lässt sich ableiten, dass diese Schlacht, die in vielen Punkten bis heute kontrovers geblieben ist. Hat sie tatsächlich stattgefunden und eine kurzzeitige militärische Wende innerhalb der nordischen Reiche am Ende des 10.Jh. herbeigeführt? Die Wikingerzeit bildete insgesamt gesehen für die nordischen Völker eine Zeit des Auf- und Umbruchs, die auch das kontinentale Geschehen nicht unwesentlich beeinflusste. Die Forschungen gehen aber von unterschiedlichen Jahreszahlen aus. So hat die norwegische Forschung das Jahr 986 favorisiert, wo hingegen die isländische wie auch die deutsche Forschung von der Jahreswende 994/95 ausgehen.

Obwohl dänischer Vasall, verfolgte der norwegische Regent, Jarl Hakon Sigurdarson von Lade (971-995), eigene machtpolitische Pläne. Norwegens Einfluss auf die ihm zugehörigen Wikingerkolonien der Färöer und Island, später auch Grönlands, blieb gering. Mächtige Sippenfehden überzogen die nordatlantische Inselgruppe der Färöer, aber auch Island, wobei dennoch deren einflussreichste Vertreter in Krisensituationen sich dem Mutterland Norwegen verbunden fühlten. Schweden unter seinem Herrscher Erik Sejrsal (975-995), der etwa ein Jahrzehnt zuvor die in Schweden eingefallenen Jomswikinger militärisch besiegt hatte, verhielt sich zunächst neutral.

Nach seiner Freilassung aus slawischer Gefangenschaft bei den Polen oder Pommern an den dänischen Königshof zurückgekehrt, beschlossen König Sven Gabelbart (986-1014) und seine Berater hinsichtlich der untreuen Jomswikinger und Norweger einen politischen Schachzug. Denn das Ledung, die typische Militärordnung in den wikingerzeitlichen nordischen Staaten, das die Verpflichtung für die einzelnen Distrikte und Gaue enthielt, bei Gefahr für König und Reich Schiffe und Krieger zur gemeinsamen Verteidigung zu stellen, war trotz der Abwesenheit des dänischen Königs im Land intakt geblieben. Sven Gabelbart hatte seit Beginn seiner Regierung eine kraftvolle Heeresorganisation in Form von Militärlagern (Ringburgen) geschaffen oder erweitert, die Militärgarnisonen und Kriegshäfen zugleich verkörperten. Während der Trauerfeierlichkeiten für seinen getreuen Gefolgsmann, Jarl Strutharald von Bornholm, dessen Söhne führende Jomswikinger in Pommern waren, entlockte der König dem Jomswikingeradel mit Jarl Siggvaldi Haraldsson, einem der Söhne Strutharalds, an der Spitze in der Trunkenheit ein folgenschweres Gelübde, das sie gegen den abtrünnigen norwegischen Jarl Hakon ablegten. Die Absicht des sowohl klugen als auch kriegerischen Dänenkönigs war in Wahrheit folgende: „Um für die an ihm verübte Unbill [in Pommern] Rache zu nehmen, veranlasst Sven die Jomswikinger [ … ] zu einem Kriegszug gegen Jarl Hakon von Norwegen. Er weiß, dass dieses Unternehmen über ihre Kräfte geht, und will sie auf diese Weise vernichten oder doch wenigstens seine beiden schlimmsten Feinde [die Jomswikinger und Norweger] sich gegenseitig schwächen lassen“ (F. Niedner u. W. Baetke 1924, S.16). Wieder nüchtern, erkannten die Jomswikingerhäuptlinge ihre Unbesonnenheit, aber das Gelübde war für sie zugleich Gesetz. Um über seine wahren Interessen hinwegzutäuschen, stellte Sven Gabelbart gegen Norwegen 60 Langschiffe aus der Königsflotte bereit, die Jomswikinger gleichviele.

Wahrscheinlich zur Wende der Jahre 994/995 – so isländischen Forschungen zufolge – segelten Dänen und Jomswikinger mit ihrer vereinten Flottenmacht von 120 Schiffen, zumeist Drakkars und Skeids, und vermutlich 5 000 Seekriegern von der dänischen Ausgangsbasis Trelleborg auf Seeland nach Norwegen. Dass an dieser Invasion auch 300 Schiffe des Schwedenkönigs Erik teilgenommen haben, wie mehrfach geschlussfolgert wurde, ist unwahrscheinlich, da Sven Gabelbart und Erik Sejrsal Zeit ihres Lebens Feinde waren. Das dänisch-schwedische Verhältnis normalisierte sich erst nach Eriks Tode und nach dem Thronwechsel in Schweden und Norwegen 995 unter dem Sohn und Nachfolger, Erik Sejrsals, Olaf Skotkonung, genannt „Schoßkönig“, der ein Bündnispartner Sven Gabelbarts wurde.

Das mächtige Schiffs- und Heeresaufgebot erreichte‘ zunächst Vik, die Landschaft um den heutigen Oslofjord, und landete in Tunsberg, dem heutigen Tönsberg, südwestlich von Oslo. Der bereits damals bedeutende Handelsplatz – die später bekannte hansische Niederlassung der Rostocker in Norwegen – wurde durch die Eindringlinge völlig verwüstet. Danach plünderten die Invasoren weiter an Norwegens Südküste die abgelegenen Bauerngehöfte und gelangten schließlich im Verlauf des Januar 995, die Gegend des heutigen Stavanger passierend, zur Inselgruppe der Söröer, nördlich von Stad in Mittellnorwegen, um das norwegische Schiffsaufgebot unter Jarl Hakon zu erwarten und zum Kampf zu stellen.

Zwischenzeitlich war Jarl Hakon von Lade (das spätere Trondheim), der in dem 25jährigen Interregnum zwischen den Königen Harald Graumantel (959-970) und Olaf I. Tryggvason (995-1000) regierte, nicht untätig geblieben. Hakon wusste, was er und Norwegen nach dem Abwenden von Dänemark durch dessen König Sven Gabelbart zu erwarten hatten. Wie in Dänemark, hatte anscheinend auch in Norwegen das Ledung bestanden, das die einzelnen norwegischen Gaue verpflichtete, Krieger und Schiffe für die Verteidigung des Landes aufzubieten. Jarl Hakon hatte umgehend das Kriegsaufgebot in Norwegen – von Tröndelag bis Rogaland – mit dem ausdrücklichen Befehl bestellt, dass sich alle verfügbaren Schiffe und Krieger bei der Insel Höd sammeln sollten. Die Insel Höd der Saga scheint identisch mit der heutigen Insel Hareidland zu sein, die sich südlich von Alesund im Jörundfjord (Hjörungabucht) an der Küste des heutigen Distrikts Sunmöre befindet.

Am norwegischen Hofe zu Lade weilten seinerzeit auch die isländischen Skalden Einar Schalenklang, Vigfus Glumsson und Thorleif Schummer sowie die färöischen Wikingerhäuptlinge Siggmundur Brestisson und Thorir Beinisson mit ihrem Gefolge, die sich angesichts der drohenden Gefahr für Norwegen sofort dem Jarl zur Verfügung stellten. Mit Hjörungavag hatte Jarl Hakon taktisch und strategisch geschickt eine markante geographische Stelle als Kampfort gewählt, die so beschaffen war, dass eine Schäre mitten in der Bucht lag und die größere bewaldete Insel Sillen, die Primsignd der Saga, nördlich davor. Die Bucht bot der Norwegerflotte sowohl Schutz von Angriffen von See her als auch genügend Raum für Kampfhandlungen, ohne selbst eingeschlossen zu werden; notfalls konnten Kampfhandlungen auf den Inseln und an der flachen Uferzone fortgesetzt werden.
Durch die umsichtigen und schnellen militärischen Vorbereitungen Jarl Hakons zur Abwehr der Dänen und Jomswikinger waren den Überlieferungen nach 300 Schiffe der Norweger und schätzungsweise 12000 Krieger bei der Insel Höd zusammengekommen. Die Späher der Invasorenflotte erkannten verdutzt und zu spät, dass sie eine dreifache Übermacht erwartete und sich die Hjörungabucht als Falle für die Eindringlinge erweisen könnte. Die Jomswikinger stellten sofort ihre Kriegsschiffe in Schlachtformation auf. Jarl Sigvaldi, der oberste Kriegshäuptling der vereinten nordischen Invasorenflotte, legte sich ins Mitteltreffen und sein Bruder Thorkel der Hohe, der später noch in England Geschichte machen sollte, an seine Seite; Bui Digri, der eigentliche Flottenführer der Jomswikinger (modern ausgedrückt: ihr Admiral) und sein Bruder Sigurd Mantel bildete den nördlichen Flügel der Formation und Vagn Akason, Palnatokis Enkel den südlichen.

Die Schlachtordnung der Norweger, die Jarl Hakon in Übereinstimmung mit seinen norwegischen und färöischen Schiffsführern, den wikingerzeitlichen styrimadr, befahl, war von Anfang an auf ein Schiffsverhältnis von 3: 1 ausgerichtet, das beutete, drei Norwegerschiffe bekämpften ein feindliches. Das Führungsschiff Jarl Hakons „Bardi“, auf dem sich auch die isländischen Skalden befanden, konnte je nach Lage selbständig handeln.

Bemerkenswert ist die Tatsache, dass man auf Wikingerschiffen damals Schmiedewerkzeug mitführte, um Rüstungen bessern zu können, und Krieger sogar eigens als Schmiede für die Kampfschiffe ausgebildet wurden. Außerdem gab es bereits einen ,,Koch“ an Bord, der die Krieger zu beköstigen hatte.
Deswerteren führten die Kriegsflotten meistens auch Lotsen und unter Umständen auch Dolmetscher mit. Ausguck und Wachposten waren selbstverständlich. Es ist anzunehmen, dass Schlachtenteilnehmer auch in einer Art von „Feldscher“ fungierten, die die verwundeten Krieger versorgten. Etwa 50 Jahre später sind bei den Truppen des Königs Magnus des Guten von Norwegen und Dänemark (1035-1047), der sich 1043 im Kriegszustand mit den Jomswikingern, Obodriten und Pommern befand, bereits „Wundärzte“ nachweisbar.

Nachdem die Schiffsformationen der Gegner aneinandergerückt waren, begann der Kampf. Sodann prallten die Drachenschiffe in Rammtechnik und von Hörnerblasen und gewaltigem Lärm begleitet, vor Lidvag oder Steinvag an der Nordostküste der Insel Hareidland aufeinander. Als sich die ersten Rammsteven, die ,,Eisenwidder“ der Sagas, in die Schiffsrümpfe bohrten, entspann sich unter dichtem Pfeilhagel ein erbitterter Kampf zwischen den Kriegern. Zwischen den Führungsschiffen der Kriegsgegner ging es ebenfalls heftig zur Sache: Die Jomswikingerhäuptlinge Bui Digri und Vagn Akason drangen in die Schiffsformationen der Jarlssöhne Sven und Erik Hakonsson ein, kappten die Verbinndungstrossen, enterten Schiffe und metzelten im Nahkampf an Bord eine beträchtliche Anzahl gegnerischer Krieger nieder. Im Gegenzug gelang es Jarl Eriks Kriegern – die durch die isländischen Skalden Vigfus Glumsson und Thorleif Schummer Unterstützung fanden -, die jomswikingischen Schiffsführer Vagn Akason und Aslak Holmglatze abzuwehren und vorübergehend außer Gefecht zu setzen. Der Krieger und Skalde Thorleif verstarb wenig später an seinen Verletzungen.

Der Schlachtenverlauf zeigte sich an Menschen und Schiffen sehr verlustreich, wobei sich die Waagschale des Sieges zunächst weder bei den dänisch-jomswikingischen Invasoren noch bei den norwegischen Verteidigern und ihren verbündeten Färingern zum Erfolg auspendelte. Jarl Hakon signalisierte seinen Schiffsführern eine Gefechtspause und ging mit seinem Schiff an der Küste der Insel Sulen vor Anker. Er zog sich an Land zurück und beriet mit seinen Söhnen und Unterführern das weitere Vorgehen. Auch die erschöpften und stark verminderten Dänen und Jomswikinger ließen vom Kampf ab. Um des Sieges Willen brachte der heidnisch rückfällig gewordene Jarl den Wettergöttinnen Thorgerd und Irpa ein Opfer dar – das Christentum wurde in Norwegen nach anfänglichem Scheitern erst nach 995 unter König Olaf I. Tryggvason eingeführt. Durch die Opfergabe bestärkt – es soll sich um ein Menschenopfer gehandelt haben befahl er seinen Kriegern, den Kampf wieder aufzunehmen.

Inzwischen neigte sich der kalte Tag dem Ende zu. Ein furchtbares Unwetter zog auf, es blitzte, donnerte und schneite so gewaltig, als würden Odin und Thor gemeinsam von Asgard niederfahren und sich mit den Norwegern verbünden. Der Schneesturm war so ungeheuerlich, dass die Männer kaum aufrecht stehen konnten. Die dänischen Krieger und Jomswikinger hatten sich während des Kampfgeschehens zumeist ihrer Rüstungen entledigt, um sich abzukühlen. Nun wurde es schrecklich kalt, aber die Krieger beider Seiten setzten den Kampf unerbittlich fort. Die für die Norweger günstige Wetterlage, die ihrer Flotte im Rücken stand, war mit ausschlaggebend, dass die Schlacht nunmehr von den Norwegern und ihren Verbündeten bestimmt wurde.

Dass schließlich die Jomswikinger und die Dänen nach hartem Kampf überwunden und erfolgreich geschlagen werden konnten, ergab sich vor allem aus Entscheidungskampf zwischen den beiden Flottenführern Sigmundur Brestisson und Bui Digre und ihren Kriegern, der wie folgt überliefert wurde: ,,Die Verwandten Sigmund [Brestisson] und Thorir [Beinisson] waren mit den Jarlen Hakon und Erik in der Schlacht. Es wurde berichtet, dass Sigmund als erster auf das Schiff von Bui dem Dicken ging, als er auf das Heftigste kämpfte. Thorir kämpfte gegen dreißig Mann, und als Sigmund und Bui aufeinander schlugen, da merkte Sigmund, dass er sich mit Bui in Stärke und großen Hieben nicht messen konnte. Deshalb gebrauchte er seine Geschicklichkeit und warf sein Schild und Schwert in die Luft und wechselte sie in den Händen, so wie er es oft machte. Damit hatte Bui nicht gerechnet, und Sigmund schlug mit der linken Hand Buis Hände an den Handgelenken ab. Danach sprang Sigmund mit sieben Männern auf sein Schiff zurück; denn all die anderen, die mit Thorir gekämpft hatten, wurden getötet“ (Färingersaga 1987, S.53). Der verstümmelte Bui, schon dem Tode nahe, konnte dennoch seine Kiste mit Gold, die er einst als Beutegut ergattert hatte und von der er sich nie trennte, über Bord werfen und ins eisige Wasser hinterher springen.

Eine andere nordische Quelle berichtet ähnlich: „Da sprang Sigmund Brestisson, der gewaltigste Kämpfer, hinzu, drang auf Bui ein, und es endete damit, dass Sigmund dem Bui beide Hände im Gelenk abhieb. Da steckte Bui beide Stümpfe in die Trageringe seiner Goldkiste und rief laut:, Über Bord alle Krieger Buis!'“ (Jomsvikingasaga 1924, S.428).

Ihre Niederlag vor Augen, konnten Jarl Sigvaldi und seine Unterführer Thorkel der Hohe und Sigurd Mantel geschickt mit 24 Schiffen dem Schlachtengetümmel entweichen, nur Vagn Akason leistete als einer der letzten jomswikingischen Schiffsführer den Norwegern und Färingern erbitterten Widerstand. Nunmehr griffen Jarl Erik Hakonsson und seine Verbündeten Vagns Skeid an. Das blutige Gemetzel währte bis in die tiefen achtstunden. Die meisten Jomswikinger waren von der norwegischen Übermacht dahingemäht worden – VagnAkason und Björn dem Waliser waren noch 80 Krieger geblieben, die aber militärisch nichts mehr ausrichten konnten.

Jarl Erik ließ von den erbeuteten Schiffen die Takelage entfernen und die Schilde emporziehen. Das war das Zeichen, dass der Kampfbeendet war. Die überlebenden, aber zumeist verwundeten Jomswikinger versuchten sich an Land zu retten. Auf einer Schäre verstarben in der eisigen Nacht bereits zehn Jomswikinger an ihren Wunden sowie der Skalde Thorleif Schummer. Am darauffolgenden Januarmorgen wurden die überlebenden Dänen und Jomswikinger gefangengenommen und an Land gebracht. Jarl Erik Hakonsson hielt über sie Gericht. Die Gefangenen saßen in der winterlichen Kälte mit einem langen Strick an den Füßen zusammengefesselt auf einem Baumstamm und warteten auf ihre Hinrichtung. Der Vertraute des Jarls Thorkel Leira waltete als Scharfrichter und köpfte eilig 18 Jomswikinger, zumal ihm bekannt war, dass Akason ihm den Tod prophezeite. Als die Reihe jedoch Sven, den Sohn des gefallenen jomswikingischen Flottenführers Bui Digri kam, schlug Thorkel Leira fehl. Jarl Erik erblickte darin einen Wink der nordischen Götter und begnadigte Sven Buisson. „Er [Sven] wurde nun aus dem Strang losgebunden. Da sprach Thorkel Leira: Wenn Du auch allen diesen Männern Frieden gibst, Jarl, so soll doch Vagn Akason nicht mit dem Leben davon kommen! In demselben Augenblick läuft er mit gehobenem Beil vor. Aber der Wiking Skarthi warf sich aus dem Strang vor Thorkels Füße; Thorkel fiel über ihn hin. Nun ergriff Vagn das Beil und erschlug damit Thorkel. Da sagte der Jarl: Vagn, willst Du Frieden haben? Das will ich, war die Antwort, wenn ihn alle bekommen. Löst sie aus dem Strang, befahl der Jarl, und so tat man. Achtzehn waren getötet, zwölf wurden begnadigt“. (Snorris Königsbuch 1923, S.246)

Vagn Akasons Lebensretter Skarthi war demzufolge einer der zwölf Jomswikinger, die nicht hingerichtet wurden und aus der norwegischen Gefangenschaft freikamen. Es ist anzunehmen, dass Skarthi Vagn nach Dänemark folgte und später nach Pommern in die Jomsburg. König Sven Gabelbart war auf den tapferen Jomswikinger aufmerksam geworden und übernahm ihn in königliche Dienste. Da seinerzeit Sven Gabelbart zunächst gemeinsam mit dem norwegischen Thronanwärter Olaf I. Tryggvason, dem späteren König, kriegerische Vorstöße gegen England unternahm, muss sich Skarthi als königlicher Hirdmann, sicherlich als einer der Flottenführer, besondere Verdienste erworben haben.

Während der Abwesenheit Sven Gabelbarts von Dänemark war sein alter königlicher Widersacher Erik Sejrsal von Schweden, ins Land eingefallen und hatte anscheinend auch das berühmte Haithabu an der Schleiförde eingenommen. Sven Gabelbart . verließ England, um sein eigenes Reich zu verteidigen. Auch er, zog mit seiner Streitmacht gegen Haithabu, in dem sich die Schweden verschanzt hatten, belagerte die Stadt und konnte sie schließlich für Dänemark zurückerobern. Dabei muss die junge Stadt Schleswig in Flammen aufgegangen sein, wie der damalige Schleswiger Bischof Eckehard auf der Synode zu~ Gandersheim im Jahre 1000 berichtete. Sowohl Erik Sejrsal als auch Sven Gabelbart müssen persönlich an dem Kampf um Haithabu teilgenommen haben, der das Ende der kurzzeitigen schwedischen Herrschaft über Dänemark bewirkte. Der Jomswikinger und königliche dänische Gefolgsmann Skarthi fiel bei dieser militärischen Auseinandersetzung um Haithabu, und König Sven Gabelbart setzte seinem gefallenen Untertan einen Runenstein, der die Zeiten überdauerte und heute im „Wikingermuseum Haithabu“ von Schleswig zu bewundern ist. Die Inschrift auf dem sogenannten „Skarthi-Stein“ gibt in deutscher Übersetzung folgenden aufschlussreichen, historischen Inhalt wieder: ,,König Sven setzte diesen Stein für Skarthi, seinen Gefolgsmann, der nach Westen [England] gefahren war, aber nun bei Hedeby [Haithabu] fiel.“ (W. Laur 1987, S.40f).

Die schwere Schlacht um Haithabu, in der die bedeutende,; Wikingermetropole und auch die aufstrebende Siedlung Schleswig an Dänemark zurück kamen, kann nur im Jahre 995,kurz nach der Seeschlacht von Hjörungavag, stattgefunden; haben, da wenige Zeit danach König Erik Sejrsal von Schweden der Tod ereilte. Der „Skarthi-Runenstein“, der 1857 bei Busdorf (Schleswig-Holstein) entdeckt wurde, wäre demzufolge der bisher einzige archäologische Nachweis eines Jomswikingers namentlich und zugleich ein weiteres Zeugnis für die, Existenz der Jomswikinger.

Lutz Mohr (Diplomhistoriker)

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